Mischmethoden im (Reha-)Training: Ein effektiver Ansatz für mehr Abwechslung und Motivation
Effektives Training in der Rehabilitation
Ist es erlaubt, in der Rehabilitation so zu trainieren, wie in der oben gezeigten Folie? Zum Beispiel:
- 1 x 15 Wiederholungen Body Squat
- 1 x 5 Wiederholungen Bulgarian Split Squat mit 25 kg
- 1 x 10 Wiederholungen Front Squat mit 20 kg
Natürlich müssen dabei DIE 5 Grundsätze wie individuelle Anpassung und angemessene Intensität stets beachtet werden. Diese sind essenziell und unverzichtbar.
Die natürliche Mischung der Kraft Fertigkeiten
Die Mischung verschiedener Kraft Fertigkeiten wie Kraftausdauer, Maximalkraft und Schnellkraft ist vollkommen natürlich. Stell dir vor, du hilfst jemandem beim Umzug: Mehrmals die Treppe rauf und runter mit leichten Gegenständen (Ausdauer), dann das schwere Sofa durch das enge Treppenhaus transportieren (Maximalkraft), gefolgt von mittelschweren Schachteln in den Lastwagen tragen. Auch in vielen Berufen wie Bauarbeiter, Waldarbeiter, Lagerarbeiter und Landschaftsgärtner sind wechselnde Intensitäten und Kraft Fertigkeiten an der Tagesordnung (Abdelhamid TS, 2002). Viele Sportarten sind eine Mischung aus unterschiedlichen Fertigkeiten.

Bildquelle: Workplace physical demands and musculoskeletal injury surveillance, Lowe B.
Vorbereitung auf die reale Welt
Im therapeutischen Widerstandstraining geht es darum, die Kunden auf die reale Welt vorzubereiten, die nicht klinisch ist und nicht im Labor stattfindet. Oft müssen hohe Leistungen ohne vorheriges Warm-up erbracht werden. Die Bedingungen in der Arbeitswelt und im Alltag entsprechen nicht denen im Fitnesstraining und Spitzensport.
Variation in den Übungen
Laut Toigo Marco (2019) sollte man für denselben Muskel verschiedene Übungen ausführen, um möglichst viele Muskelfasern zu trainieren. Dies fördert Muskelaufbau und Kraft effektiver als das ständige Wiederholen der gleichen Übung. Variationen führen zu mehr Hypertrophie und Kraft (Fonseca et al., 2014). Variationen helfen auch dem zentralen Nervensystem, nach Verletzungen und Operationen bei der Selbstorganisation (Gokeler A, 2019).

Bildquelle: (Gokeler A, 2019)
Gemischte Trainingsmethoden
Das Trainieren in verschiedenen Wiederholungszonen ist nichts Neues. In der Krafttrainingswelt sind Methoden wie Pyramidentraining (aufsteigen, absteigen), Heavy-to-Light System und das Hatfield-System bekannt (Freiwald J, 2016; Fleck SJ, 2014; Gottlob A, 2009; Hatfield F, 1984).
Das Hatfield-System (all-in-one) ist mit 2 Sätzen à 4-6 Wdh, 2 Sätze à 12-15 Wdh und 2 Sätze à 20-25 Wdh in einer Trainingseinheit eine stark ausgeprägte Variante des ganzheitlichen Trainings. Diese Methode hat gegenüber von wöchentlichem, wellenförmigen (undulating) Training keinen Nachteil. Es könnte aber für gewisse Sportarten wie Kampfsportarten, Tennis, Klettern eine geeignete Trainingsvariante sein (Antretter M, 2020).
Wissenschaftliche Studien und Motivation
Eine Studie mit 59 Frauen (Durchschnittsalter 67 Jahre) mit kardiovaskulären Erkrankungen zeigte, dass verschiedene Wiederholungszahlen im Widerstandstraining gleiche positive Effekte auf die Gesundheit haben (Dos Santos L, 2020). Diese Misch-Trainingsmethoden sind eine motivierende und herausfordernde Alternative zu klassischen Methoden (Antretter M, 2020).
Individuelle Anpassung
Es ist wichtig, individuell zu handeln, da nicht jeder gleich auf dasselbe Training reagiert (Beaven CM, 2008; Erskine RM, 2010; Pickering C, 2019). Einige Menschen profitieren am meisten von „all-in-one“-Ansätzen (Angleri V, 2022). Bei anderen sind klassische 3 x 10 Wdh mit der selben Übung das passende. Das Trainingsalter und die Erfahrung muss berücksichtigt werden.
Fazit
Rehabilitations- und Fitnesstraining unterscheiden sich vom Leistungstraining. Gemischte Methoden sind effizient und können in der medizinischen Trainingstherapie motivierend wirken. Es ist sinnvoll, diese Ansätze zu integrieren, um die Motivation zu steigern und verschiedene Trainingsziele zu erreichen.
Sei stur mit Grundsätzen und kreativ mit Rezepten!
Abdelhamid, Tariq S., und John G. Everett. „Physiological Demands during Construction Work“. Journal of Construction Engineering and Management 128, Nr. 5 (Oktober 2002): 427–37. https://doi.org/10.1061/(ASCE)0733-9364(2002)128:5(427).
Angleri V, Ugrinowitsch C und Libardi CA. “Individual Muscle Adaptations in different Resistance Training Systems in Well-Trained Men”. Int J Sports Med. (Jan 2022) 43(1):55-60.https://doi.org/10.1055/a-1493-3121
Antretter, M, D Posch, und M Burtscher. „The Hatfield-System vs. Weekly Undulating Periodized Strength Training“. Deutsche Zeitschrift Für Sportmedizin/German Journal of Sports Medicine 71, Nr. 5 (1. Mai 2020): 89–96. https://doi.org/10.5960/dzsm.2020.423.
Beaven, C Martyn, Nicholas D Gill, und Christian J Cook. „Salivary Testosterone and Cortisol Responses in Professional Rugby Players After Four Resistance Exercise Protocols“. Journal of Strength and Conditioning Research 22, Nr. 2 (März 2008): 426–32. https://doi.org/10.1519/JSC.0b013e3181635843.
Cattan, Grégoire Hugues. „Pyramidal Systems in Resistance Training“. Encyclopedia 1, Nr. 2 (28. Mai 2021): 423–32. https://doi.org/10.3390/encyclopedia1020035.
Dos Santos, Leandro, Alex S. Ribeiro, João Pedro Nunes, Crisieli M. Tomeleri, Hellen C. G. Nabuco, Matheus A. Nascimento, Paulo Sugihara Junior, u. a. „Effects of Pyramid Resistance-Training System with Different Repetition Zones on Cardiovascular Risk Factors in Older Women: A Randomized Controlled Trial“. International Journal of Environmental Research and Public Health 17, Nr. 17 (22. August 2020): 6115. https://doi.org/10.3390/ijerph17176115.
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https://doi.org/10.1007/s00421-010-1601-9
Fleck SJ., “Designing resistance training programs”, Fourth Ed. (2014), Champaign IL: Human Kinetics
Fonseca RM, Roschel H, Tricoli V, et al (2014) Changes in Exercises Are More Effective Than in Loading Schemes to Improve Muscle Strength. Journal of Strength and Conditioning Research 28:3085–3092. https://doi.org/10.1519/JSC.0000000000000539
Freiwald J., “Optimales Krafttraining”, (2016), Balingen: Spitta Verlag GmbH & Co. KG
Gokeler, Alli, Dorothee Neuhaus, Anne Benjaminse, Dustin R. Grooms, und Jochen Baumeister. „Principles of Motor Learning to Support Neuroplasticity After ACL Injury: Implications for Optimizing Performance and Reducing Risk of Second ACL Injury“. Sports Medicine 49, Nr. 6 (Juni 2019): 853–65. https://doi.org/10.1007/s40279-019-01058-0.
Gottlob A., “Differenziertes Krafttraining mit Schwerpunkt Wirbelsäule”, 3. Auflage (2009), München: Elsevier GmbH
Hatfield FC., “Bodybuilding a scientific approach”, (1984) Chicago: Contemporary
Toigo M., “Muskel Revolution”, 2. Auflage (2019), Berlin: Springer Verlag GmbH
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