Besteht ein Unterschied zwischen Kraft- und Widerstandstraining? Und warum du ihn kennen solltest
In der englischsprachigen Literatur wird häufig von „Resistance Training“ oder „Resistance Exercise“ gesprochen (ACSM, 2018). Der Begriff „Strength Training“ wird spezifisch verwendet, wenn das Ziel die Kraftsteigerung ist (Joyce, 2022). Diese Zielsetzung erfordert spezifische Methoden und Anweisungen.
Widerstandstraining hat jedoch kein festgelegtes Ziel. Es ist ein vielseitiges Hilfsmittel für unterschiedliche Zwecke. Genau wie das Krafttraining arbeitet Widerstandstraining mit verschiedenen Widerständen: Gewichten, Gummibändern, Körpergewicht, Flywheel und mehr. Obwohl es für Aussenstehende ähnlich aussieht, bietet Widerstandstraining eine breitere Palette an Möglichkeiten. Es ist gleichermassen wichtig für Rehabilitation und Leistungstraining.

Anwendungsbeispiel: Kniebeuge (Back Squat)
Nehmen wir die Übung Kniebeuge als Beispiel. Abgesehen von der Kraftsteigerung, welche Ziele kannst du damit verfolgen?
Wir von CoreKnowledge identifizieren sieben Hauptbereiche:
- Kraftfertigkeiten: Höchstmögliche Last bewegen, Last lange bewegen
- Hypertrophie: Medizinische Gründe oder Ästhetik
- Körperkontrolle: Beinachse, Hip Hinge, Beeinflussung des ZNS
- Ausdauer/Herz-Kreislauf: Kapazität, Durchblutung
- Schnelligkeit: Schnelle Muskelkontraktion
- Beweglichkeit: Zweckmässige Beweglichkeit im Hüftgelenk
- Psyche: Selbstwirksamkeit, Glauben und Vertrauen stärken
Widerstandstraining kann beispielsweise die Psyche einer Kundin positiv beeinflussen (Siehe Artikel: Die Psyche im Widerstandstraining). Anfangs könnte der Fokus auf der Stärkung des Selbstvertrauens liegen, später auf der Verbesserung der Körperkontrolle und der Schnelligkeit.
Ein Werkzeug, viele Ziele
Ein Widerstandstool wie die Kniebeuge kann je nach Zielsetzung unterschiedlich eingesetzt werden. Entsprechend dem Ziel wählst du die Intensität, Methoden und die Art und Weise der Kommunikation. In jedem Bereich gibt es spezielle Trainingsübungen, und die Kniebeuge ist nur eine von vielen Möglichkeiten im Widerstandstraining.
Die uKiB-Zielscheibe
Die uKiB-Zielscheibe steht für „unbewusste Körperkontrolle in Bewegung“. (Siehe auch: uKiB-Philosophie) Die äusseren Ringe symbolisieren das Urziel: Gesundheit. Der mittlere Ring repräsentiert das Grundziel uKiB. Das Bull’s Eye ist das spezifische Kundenziel, das ihr gemeinsam definiert habt. Um das Kundenziel zu erreichen, wie z.B. Gartenarbeit ohne Rückenschmerzen oder einen Marathon laufen, müssen verschiedene Bereiche gewichtet und trainiert werden. Widerstandstraining kann in allen diesen Bereichen eingesetzt werden, während Krafttraining strenggenommen nur zur Steigerung der Kraft dient.

uKiB Bull’s Eye Copyright Stefan Lerch 2020
Ganzheitlicher Ansatz
Es ist nicht möglich, isoliert in nur einem Bereich zu arbeiten. Die meisten Faktoren sind voneinander abhängig und bauen aufeinander auf, wie Kraft und Schnelligkeit. Auch die Psyche spielt immer eine Rolle: „Ich kann“, „Mein Rücken nimmt Schaden“, „Ich will mehr“, „Das hilft mir nicht“.
Der Unterschied zwischen Krafttraining und Widerstandstraining liegt in deiner Denkweise! Deine Denkweise beeinflusst direkt deine Trainingsinterventionen und die Kommunikation mit deinen Kunden. Denke nicht nur an Kraft. Denke nicht nur an 3 x 15 Wiederholungen (siehe: Mischmethoden im (Reha-) Training).
Mehr Kreativität und Möglichkeiten
Bei CoreKnowledge sind wir überzeugt, dass Wörter die Wahrnehmung und das Handeln beeinflussen und verändern (Stewart & Loftus, 2018; Barker et al., 2009; Ritter et al., 2016). Wenn du an Widerstandstraining denkst, wirst du kreativer und hast mehr Möglichkeiten. Dies führt zu abwechslungsreicherem und effizienterem Training, das mehr Spass macht.
Fazit
Widerstandstraining bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten und sollte nicht auf reines Krafttraining beschränkt werden. Es ermöglicht eine kreative und vielseitige Herangehensweise, die für deine Kunden motivierender und effektiver ist.
Mach Widerstandstraining und nicht nur Krafttraining!
American College of Sports Medicine, Riebe D, Ehrman J K, Liguori G & Magal M. (2018) ACSM’s guidelines for exercise testing and prescription (Tenth edition.). Philadelphia: Wolters Kluwer
Joyce D & Lewindon D. (2022) High-Performance Training For Sports (Second Edition). Human Kinetics, Champaign Illinois
Barker KL, Reid M, Lowe CJM (2009) Divided by a lack of common language? – a qualitative study exploring the use of language by health professionals treating back pain. BMC Musculoskelet Disord 10:123. https://doi.org/10.1186/1471-2474-10-123
Ritter A, Franz M, Puta C, et al (2016) Enhanced Brain Responses to Pain-Related Words in Chronic Back Pain Patients and Their Modulation by Current Pain. Healthcare 4:54. https://doi.org/10.3390/healthcare4030054
Stewart M, Loftus S (2018) Sticks and Stones: The Impact of Language in Musculoskeletal Rehabilitation. J Orthop Sports Phys Ther 48:519–522. https://doi.org/10.2519/jospt.2018.0610
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